FSI-Sprachkategorien: Wie viele Stunden jede Sprache braucht
Diesen Artikel gibt es auch im englischen Original: Englische Version.
Das Foreign Service Institute (FSI) bildet seit 1947 US-Diplomaten in Fremdsprachen aus. Seine Einteilung in vier Schwierigkeitskategorien ist die meistzitierte Antwort auf die Frage „Wie lange dauert es, diese Sprache zu lernen?“, denn sie stammt von Leuten, die solche Kurse tatsächlich durchführen: Vollzeit-Lernende, ausgebildete Lehrkräfte und am Ende ein Sprachtest.
Wichtig vorab: Alle FSI-Zahlen gelten für englische Muttersprachler. Wenn deine Muttersprache Deutsch ist, sieht die Rechnung für manche Sprachen anders aus; dazu weiter unten mehr. Hier findest du jede Sprache der aktuellen Liste mit den Wochen und Unterrichtsstunden, die das US-Außenministerium veröffentlicht, einen Rechner, der diese Stunden in ein Datum übersetzt, und was die Zahlen für deine eigene Planung bedeuten und was nicht.
Inhalt
FSI-Stundenrechner
Wähl eine Sprache und wie viel du pro Tag lernst. Wenn du schon Stunden investiert hast, trag sie ein, dann werden sie von der Summe abgezogen.
Die FSI-Kategorien im Überblick
Das FSI gruppiert Sprachen danach, wie lange seine englischsprachigen Lernenden normalerweise bis zu professioneller Arbeitskompetenz brauchen. Das sind die Zahlen auf der Seite des US-Außenministeriums, Stand September 2026. Stunden sind Unterrichtsstunden, Wochen sind Vollzeitwochen.
| Kategorie | Wochen | Unterrichtsstunden | Sprachen |
|---|---|---|---|
| Kategorie I | 24 | 552 | Dänisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Rumänisch, Schwedisch |
| Kategorie I | 30 | 690 | Französisch, Spanisch |
| Kategorie II | ~36 | 828 | Deutsch, Haitianisch-Kreolisch, Indonesisch, Malaiisch, Swahili |
| Kategorie III | ~44 | 1.012 | Albanisch, Amharisch, Armenisch, Aserbaidschanisch, Bengalisch, Birmanisch, Bulgarisch, Dari, Estnisch, Farsi, Finnisch, Georgisch, Griechisch, Hebräisch, Hindi, Kasachisch, Khmer, Kirgisisch, Kurdisch, Laotisch, Lettisch, Litauisch, Mazedonisch, Mongolisch, Nepali, Polnisch, Russisch, Serbokroatisch, Slowakisch, Slowenisch, Tadschikisch, Thai, Tschechisch, Türkisch, Turkmenisch, Ukrainisch, Ungarisch, Urdu, Usbekisch, Vietnamesisch |
| Kategorie IV | 88 | 2.200 | Arabisch, Chinesisch (Kantonesisch), Chinesisch (Mandarin), Japanisch, Koreanisch |
Laut FSI ist die Liste der Kategorie III „nicht abschließend“. Wenn deine Sprache nicht in der Tabelle steht, veröffentlicht das FSI keine Zahl dafür. Die nächstverwandte Sprache auf der Liste ist ein vernünftiger erster Anhaltspunkt (Katalanisch neben Spanisch, Afrikaans neben Niederländisch), aber das ist dann deine Schätzung, nicht die des FSI.
Die vier Kategorien in einfachen Worten
Kategorie I (24–30 Wochen, 552–690 Unterrichtsstunden). Das FSI beschreibt sie als „Sprachen, die dem Englischen nahestehen“: die romanischen und skandinavischen Sprachen plus Niederländisch. Französisch und Spanisch stehen am oberen Ende mit 30 Wochen, der Rest mit 24.
Kategorie II (etwa 36 Wochen, 828 Unterrichtsstunden). Deutsch, Haitianisch-Kreolisch, Indonesisch, Malaiisch und Swahili. Eine kleine Gruppe und ein Schritt über Kategorie I: etwa sechs Wochen Vollzeitunterricht mehr als Französisch oder Spanisch. Ja, für Englischsprachige gilt Deutsch als etwas schwerer als die romanischen Sprachen, vor allem wegen der Fälle, der drei Genera und der Wortstellung.
Kategorie III (etwa 44 Wochen, 1.012 Unterrichtsstunden). Das FSI nennt sie „schwere Sprachen“ mit „erheblichen sprachlichen und/oder kulturellen Unterschieden zum Englischen“. Mit Abstand die größte Gruppe: Russisch, Polnisch, Griechisch, Hebräisch, Hindi, Türkisch, Thai, Vietnamesisch und rund dreißig weitere.
Kategorie IV (88 Wochen, 2.200 Unterrichtsstunden). Die „super-schweren Sprachen“: Arabisch, Kantonesisch, Mandarin, Japanisch und Koreanisch.
Was FSI-Stunden eigentlich messen
FSI-Stunden sind Vollzeit-Präsenzunterricht mit professionellen, ausgebildeten Lehrkräften. Das FSI beschreibt eine typische Woche als 23 Stunden Unterricht und 17 Stunden Selbststudium, und die Unterrichtsstunden in der Tabelle enthalten das Selbststudium nicht. Für Kategorie IV ergibt sich mit beidem eher 88 × 40 = 3.520 Stunden Gesamtaufwand.
Das Ziel ist ein Wert von 3 (Sprechen und Hörverstehen) auf der Skala des Interagency Language Roundtable (ILR), grob oberes B2 bis unteres C1 im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER). Das ist professionelle Arbeitskompetenz, nicht „fließend“ im umgangssprachlichen Sinn, aber weit mehr als Konversationsniveau.
Eine grobe Faustregel: Wenn dein Ziel B1 ist, also solide Alltagskommunikation, plan etwa die Hälfte der FSI-Stunden ein. Das ist keine FSI-Zahl, sondern eine Planungshilfe. Mehr zu diesem Niveau steht in unserem Leitfaden zu den Stunden bis B1.
Warum die Kategorie fürs Erfassen wichtig ist
Wenn du Japanisch lernst und Fortschritte im Spanisch-Tempo erwartest, ist deine Motivation spätestens im dritten Monat weg. Die Kategorie sagt dir, was realistisch ist. Auch die Stunden bis B2 verschieben sich je nach Kategorie enorm.
Stell das Ziel-Tempo in deinem Tracker entsprechend ein. Mit der Halbe-Stunden-Regel liegt B1 bei grob 275–345 Stunden für eine Sprache der Kategorie I und bei etwa 1.100 für Kategorie IV. Bei 30 Minuten am Tag sind das etwa anderthalb bis zwei Jahre für Spanisch oder Italienisch und rund sechs Jahre für Japanisch. Bei einer Stunde am Tag halbiert sich das. Beide Wege sind normal; sie sind nur unterschiedlich lang.
Wenn Deutsch deine Muttersprache ist
Das FSI bildet englischsprachige Diplomaten aus, deshalb geht jede Zahl auf der Liste davon aus, dass du vom Englischen kommst. Für Deutschsprachige gibt es keine offizielle Version. Die 828 Stunden für Deutsch sagen also etwas darüber, wie schwer Deutsch für Englischsprachige ist, nicht darüber, wie lange du für Englisch brauchst.
Du kannst trotzdem damit arbeiten. Die FSI-Kategorien messen vor allem den Abstand zwischen zwei Sprachen, und für viele Sprachen ist der Abstand vom Deutschen ähnlich groß wie vom Englischen: Russisch, Arabisch oder Japanisch werden für dich nicht wesentlich leichter. Anders sieht es bei Sprachen aus, die dem Deutschen näher sind als dem Englischen:
- Eher schneller: Niederländisch, Dänisch, Schwedisch und Norwegisch teilen viel Wortschatz und Satzbau mit dem Deutschen. Als Deutschsprachige(r) liegst du dort wahrscheinlich unter den 552 Stunden aus Kategorie I.
- Etwa gleich: Bei Französisch, Spanisch oder Italienisch hilft dir vor allem, was du schon aus Latein, Englisch oder Fremdwörtern kennst. Die 552–690 Stunden sind ein guter Richtwert.
- Englisch selbst: Die meisten Deutschsprachigen hatten jahrelang Englisch in der Schule und hören es täglich in Musik, Serien und im Internet. Das sind echte Stunden, auch wenn sie niemand gezählt hat.
Wenn du eine Zahl speziell für Englischlernende willst: Cambridge English, das die Cambridge-Englischprüfungen erstellt, veröffentlicht ungefähre „guided learning hours“ pro GER-Niveau: etwa 350–400 Stunden bis B1 und 500–600 bis B2, gerechnet ab Anfängerniveau. Das sind Unterrichtsstunden, es gilt also dieselbe Vorsicht: Erfasse deine eigenen Stunden und vergleiche dein Tempo.
Die unausgesprochene Kategorie V: deine Situation
Die FSI-Kategorien gehen von englischen Muttersprachlern ohne Vorkenntnisse aus. Deine echte Kategorie verschiebt sich je nach:
- Sprachen, die du schon kannst (wer Spanisch spricht und Italienisch lernt, überspringt praktisch eine Kategorie)
- Leben im Land (jeden Tag mehr Stunden Kontakt mit der Sprache, die Kalenderzeit schrumpft also)
- Herkunftssprache (Kontakt in der Kindheit wirkt enorm nach, selbst wenn er passiv war)
Die ehrliche Antwort auf „Wie lange wird das dauern?“ ist die FSI-Schätzung, angepasst an deine Situation und dann gestreckt oder gestaucht durch deine Lernintensität. Ein Tracker macht daraus statt einer Vermutung eine Zahl.
Kategorien für die Zielsetzung nutzen
Wenn du zwischen zwei Sprachen schwankst, ist die Kategorie ein echtes Argument. Du bist nicht „faul“, wenn du Italienisch statt Japanisch wählst – du wählst einen 24-Wochen-Kurs statt eines 88-Wochen-Kurses. Beides ist in Ordnung; geh nur mit offenen Augen rein.
Wenn du dich für eine bestimmte Sprache der Kategorie IV interessierst, lies, wie du deinen Fortschritt im Japanischen erfasst, oder unsere ausführliche Aufstellung, wie viele Stunden man für Mandarin-Chinesisch braucht (beide auf Englisch).
Grenzen
FSI-Zahlen beschreiben motivierte, sprachbegabte Erwachsene in kleinen Vollzeitklassen. Selbststudium mit mittelmäßigem Material dauert länger. Selbststudium mit gutem Material und aktiver Sprechpraxis kann nah herankommen. Die Zahl ist ein Richtwert, kein Schicksal.
Erfasse deine tatsächlichen Stunden und vergleiche. Nach 200 Stunden weißt du, ob du schneller oder langsamer als die FSI-Schätzung unterwegs bist. Das ist viel nützlicher als die Schätzung selbst.
Häufige Fragen
Was sind die FSI-Sprachkategorien?
Es sind die vier Gruppen, mit denen das Foreign Service Institute der USA schätzt, wie lange englische Muttersprachler bis zu professioneller Arbeitskompetenz brauchen (ILR 3 im Sprechen und Hörverstehen). Kategorie I (24–30 Wochen, 552–690 Unterrichtsstunden) umfasst Sprachen, die dem Englischen nahestehen, etwa Spanisch, Französisch und Italienisch. Kategorie II (etwa 36 Wochen, 828 Stunden) enthält Deutsch, Indonesisch und Swahili. Kategorie III (etwa 44 Wochen, 1.012 Stunden) enthält Russisch, Polnisch, Hindi und Türkisch. Kategorie IV (88 Wochen, 2.200 Stunden) sind Arabisch, Kantonesisch, Mandarin, Japanisch und Koreanisch.
Was sind die FSI-„Tiers“?
„Tiers“ ist ein inoffizieller englischer Name für dieselben vier FSI-Kategorien. Tier oder Kategorie I ist für englische Muttersprachler die schnellste (552–690 Unterrichtsstunden), Kategorie IV die langsamste (2.200 Unterrichtsstunden). Das US-Außenministerium nennt Kategorie III „hard languages“ und Kategorie IV „super-hard languages“.
Wie viele Stunden braucht man laut FSI für Spanisch?
Das FSI führt Spanisch in Kategorie I mit 30 Wochen, also etwa 690 Unterrichtsstunden, bis ein englischer Muttersprachler professionelle Arbeitskompetenz erreicht. Für Französisch gilt dasselbe. Italienisch, Portugiesisch, Niederländisch, Dänisch, Norwegisch, Rumänisch und Schwedisch stehen bei 24 Wochen, etwa 552 Unterrichtsstunden.
Wie viele Stunden braucht man laut FSI für Deutsch?
Das FSI ordnet Deutsch in Kategorie II ein: etwa 36 Wochen oder 828 Unterrichtsstunden, zusammen mit Haitianisch-Kreolisch, Indonesisch, Malaiisch und Swahili. Die Zahl gilt für englische Muttersprachler, die Deutsch lernen.
Wie viele Stunden braucht man laut FSI für Japanisch, Koreanisch oder Chinesisch?
Alle drei sind Kategorie IV: 88 Wochen oder 2.200 Unterrichtsstunden. Arabisch und Kantonesisch gehören zur selben Gruppe. Eine typische FSI-Woche enthält zusätzlich zu 23 Stunden Unterricht etwa 17 Stunden Selbststudium, der Gesamtaufwand ist also höher als die Unterrichtsstunden allein.
Gibt es FSI-Stunden für deutsche Muttersprachler?
Nein. Das FSI bildet englischsprachige Diplomaten aus, alle Zahlen gehen also von einem englischen Muttersprachler aus. Für Deutschsprachige sind sie trotzdem ein brauchbarer Richtwert, vor allem für Sprachen, die vom Deutschen ähnlich weit entfernt sind wie vom Englischen. Bei Niederländisch oder den skandinavischen Sprachen bist du als Deutschsprachige(r) wahrscheinlich schneller, aber das ist eine Einschätzung, keine offizielle Zahl.
Sind FSI-Stunden dasselbe wie Stunden im Selbststudium?
Nein. FSI-Stunden sind Vollzeit-Unterrichtsstunden mit ausgebildeten Lehrkräften, für sprachbegabte Erwachsene, plus Selbststudium, das in der Zahl nicht mitgezählt wird. Eine Stunde mit einer App oder einer Serie lässt sich nicht eins zu eins umrechnen. Nimm die FSI-Zahl als Richtwert und erfasse deine eigenen Stunden, um zu sehen, wie dein Tempo im Vergleich aussieht.
Sieh genau, wohin deine Stunden gehen
Trag jede Einheit ein und sieh zu, wie die Stunden gegen dein FSI-Ziel zusammenkommen.
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